© Ralph Mohr

(...) Angius wirkt stets wie zum Sprung bereit, doch unsichtbare Hürden machen ihr ausladende Bewegungen unmöglich. Ihre Energie beschränkt sich auf schnelle, in sich verschachtelte Schrittfolgen.

Auch hier fasziniert die eigenwillige Ästhetik der Bewegungssprache. (...)

  Von Kerstin Hergt, 14.12.2018,  Haz.de 


Braunschweig

©Bettina Stoess

Phantastische Reise in einen Fuchskopf

 

»Stark, diese Farben: Türkis die Bühne, die Wände herabhängende Streifen aus Folie. Hellgelb der riesige Fuchskopf, pink der Anzug der Puppe, die auf dem Boden sitzt und schlaff und leblos am Kopf lehnt. Wie unter elektrischen Schlägen erwacht jetzt die Puppe zum Leben: Da hebt sich eine Hand, dort zuckt der Fuß, zappeln die Finger, klimpern die Wimpern. […] Eine ganze Skala von Gefühlen entfaltet Liliana Barros im Tanz um das Plüschtier: sehnsuchtsvoll-zärtlich, glücklich-triumphierend, freudig - verspielt... […]
Liliana Barros tanzt die vielfältigen Facetten ihrer Figur mit feinnerviger Hingabe, besonders brillant das zuckende Erwachen der Puppe. Jede ihrer Bewegung entspringt einem Kraftfeld im Innersten und durchpulst ihren Körper bis in die letzte Faser und Fingerspitze hinein. Abwechslungsreich und ausdrucksvoll ihre Choreographie, phantasievoll und packend das Geschehen auf der Bühne. […] Kleine wie große Zuschauer gingen bis zuletzt gebannt mit. Frenetischer Applaus.«


https://www.saarbruecker-zeitung.de/kultur/sz-kultur/gestatten-liliana-barros-choreografin_aid-24033257

 

Saarbrücken/Braunschweig. Liliana Barros, bis 2017 hier am Staatstheater eine der großen Tänzerinnen, etabliert sich als Choreografin. Dass sie es von Braunschweig aus tut, wo Ex-SST-Intendantin Dagmar Schlingmann Intendantin ist, ist kein Zufall. Von Silvia Buss

 

Liliana Barros gehörte zu den bemerkenswertesten Tänzerinnen des Saarbrücker Balletts. Auf der Bühne war stets mehr als eine Tänzerin, sie war auch eine charismatische Persönlichkeit. Die temperamentvolle Portugiesin, die 2006 unter Maggie Donlon nach Saarbrücken kam, sich zwischendurch für zwei Jahre mal Richtung Kanada verabschiedete und 2017 (auch aus privaten Gründen) ohne Festengagement mit der Schlingmann-Truppe nach Braunschweig zog, hatte in ihrer saarländischen Zeit bereits auch als Choreografin gepunktet. Jetzt, mit 37, scheint sie von Braunschweig aus als Choreografin richtig durchzustarten.


 Für „Nervure“, eine kurze ekstatische Solotanz-Nummer, die Barros bei der Substanz-Ausgabe Nummer 17 im Juni 2017 in der Alten Feuerwache vorstellte, ist sie vor ein paar Tagen erst wieder prämiert worden. Beim internationalen Choreografie-Festival in Kopenhagen erhielt Barros dafür den Preis für „die beste Performance“ und eine Einladung nach Taiwan. Es war nicht ihre erste Auszeichnung. Seit der Premiere sammelte sie quasi Preise und Einladungen für „Nervure“: nach Turin, Frankfurt, in die Berliner Sophiensaele, nach Zypern. Für die „Eisfabrik“ Hannover wird Barros eine „Nervure“-Langversion kreieren und dazu eine zweite Solo-Choreografie für eine andere Tänzerin. „Die Eisfabrik war so begeistert, das sie gesagt haben, sie würden meine Arbeit auch in Zukunft gern unterstützen“, erzählt Barros am Telefon. 

„Nervure“ aber ist nur eines unter vielen Projekten, die Barros seit ihrem Abschied von Saarbrücken beschäftigen. Eine polnische Regisseurin, Marta Górnicka, hatte Barros für ihr Regiedebüt „Jedem das Seine. Ein Manifest“ an den Münchner Kammerspielen engagiert, als Tänzerin und Assistentin der Produktion. Górnicka war durch Tanz-Videos im Internet auf Barros aufmerksam geworden. „Sie rief mich an und sagte, so eine Expressivität hätte ich gern in meinem Stück“, erzählt Barros. Auch von Stephan Thoss, dem Ballettintendanten am Nationaltheater Mannheim, erhielt sie einen Anruf. Er entdeckte sie aber nicht zufällig. „Ich habe natürlich, als ich wusste, dass ich selbstständig arbeiten werde, frühzeitig Vorbereitungen getroffen und viele Leute in der Tanzszene kontaktiert“, sagt Barros. Denn Karriere braucht auch Planung. Ihr war klar, dass nicht viele Branchenkenner nach Saarbrücken kommen würden, um sich „My name is Legion“ anzusehen. Diese – ebenfalls formidable – Choreografie für sieben Tänzer hatte Barros 2017 im Auftrag des Staatstheaters für einen Doppelabend mit Stijn Celis kreiert. Also ließ sie neben einem Trailer auch eine Gesamtverfilmung produzieren und verschickte sie gezielt an viele Ballettchefs. Viele hätten sich daraufhin bei ihr gemeldet, was schon erstaunlich genug ist. Doch Thoss lud sie auch gleich ein, einen choreografischen Doppelabend mit ihm zu bestreiten. Das Konzept für ihre Arbeit steht schon, Anfang 2019 beginnen die Proben, im Mai ist Premiere.



Zuerst, gesteht die Künstlerin, habe sie die Aussicht, sich in Braunschweig niederzulassen, nicht unbedingt begeistert. Doch als Basislager, stellte sie bald fest, ist der Standort sehr günstig. Ob Berlin, Leipzig, Dresden oder Hamburg –  in ein, zwei Stunden seien viele wichtige Großstädte zu erreichen. Sie habe in nur einem Jahr viele Kollegenarbeiten ansehen können, viele neue Impulse bekommen. Aber auch viel gearbeitet, sagt sie. Wenn sie nicht gerade choreografiert (im eigenen Studio) und neue Konzepte entwickelt oder Förderanträge stellt, gibt Barros Workshops für Laien, unterrichtet Ballett-Compagnien. Noch braucht sie das auch, für den Lebensunterhalt.

Doch auch am Schlingmann-Haus erhält sie künstlerische Aufträge. Für die Oper „La Bohème“ (Premiere 1. Dezember) in der Regie von Ben Bauer macht Barros die Bewegungschoreografie. Und Jörg Wesemüller, der in Saarbrücken das SST-Jugend-Ensemble U23 leitete und in Braunschweig die Jugendtheatersparte, umwarb Barros so lange, bis sie zusagte, ein Solotanzstück fürs Junge Haus zu choreografieren. Die Premiere von „Funkelfuchs“ ist im Oktober.


https://www.opus-kulturmagazin.de/saarlaendisches-staatstheater-urauffuehrung-konjetzky_barros-am-samstag-18-februar-2017-19-30-uhr-in-der-alten-feuerwache-choreografien-von-anna-konjetzky-und-liliana-barros/


sAARBRÜCKEN

 

 

Rätsel, Drama, Muskelzucken

 

Von  Silvia Buss, 25. Juni 2017

 

 

photo: Yaiza Dávila Gomez

 

 

(...) Zu den erfahreneren Choreografen gehört auch Liliana Barros, die nach ihrer erfolgreichen Großgruppen-Choreografie „My name ist Legion“ hier nun ein Solo bietet. „Nervure“ ist eine Wucht. Eine ebenso schauspielerische wie tänzerische Glanzleistung. Auf roten Highheels, in Silberleggings und mit ziemlich freiem Oberkörper gibt sie das Nervenbündel, einen Tangojunkie, der zum Rhythmus Electro-Tango abwechselnd zittert, vibriert, wild um sich schlägt und nach „Mehr“ giert. Fast nur auf der Stelle stehend macht die Barros in dieser minimalistischen Choreografie jedes Muskelzucken, jeden Gesichtsausdruck zum Erlebnis. Halb Clown, halb tragische Figur, braucht sie keinerlei Dekor, um wie das Zentralgestirn eines Kosmos zu erscheinen. 

 

https://www.saarbruecker-zeitung.de/kultur/sz-kultur/raetsel-drama-muskelzucken_aid-2404459

 


Luxembourg

Le groupe plutôt que l’individu

«Konjetzky _Barros», chorégraphie nouvelle à Sarrebruck

(...)

«My name is Legion»

Liliana Barros reprend une citation du Nouveau Testament faisant allusion à un homme possédé par des démons (Legion). Il essaie d’être un alors qu’il est multiple. Il est pour Barros une métaphore des mouvements actuels de population, qu’il s’agisse de réfugiés, d’immigrants clandestins; celle-ci est la respiration d’un monde en mouvements désordonnés, car à la recherche d’un nouvel ordre. Contrairement à Konjetzky, à qui cette allusion aux réfugiés colle parfaitement dans sa brutalité (on les imagine enfermés dans des camions frigorifiques évoquant leurs vies d’antan et espérant, espérant), elle est plus difficile à ressentir comme telle dans ce spectacle. C’est que celui-ci a une dimension esthétique (influence revendiquée de Daniel Richter) dont l’autre n’a pas besoin. Les danseurs évoluent dans un cube blanc ouvert vers les spectateurs, des tuyaux en caoutchouc, intrigants, pendent du plafond sans réelle fonction, si ce n’est celle de briser la blancheur et son immobilisme immanent. Les artistes portent des combinaisons aux couleurs claires et fruitées, et plus tard des cagoules dans les mêmes tons, les différences physiques entre homme et femme s’estompent, ici aussi c’est le groupe qui prend formes, agglomération et séparation, rester ou partir. L’ensemble cependant reste plus classique, car un être apparaît (Louiza Avraam) qui maîtrise les membres du groupe, qui se rendent au son d’un orgue puissant (Martin Mitterstieler).

Anna Konjetzky refuse la narration, Liliana Barros la revendique en partie. Deux points de vue qui font de ces chorégraphies deux versants d’une analyse socio-esthétique d’un monde déchaîné. On est loin de l’art pour l’art et c’est une vraie libération!

Dominique-Marie van de Kerckhove

28.03.17

http://jeudi.lu/le-groupe-plutot-que-lindividu-konjetzky-_barros-choregraphie-nouvelle-a-sarrebruck/


SAARBRÜCKEN
Von Anziehung und Abstoßung
14. Februar 2017, 02:00 Uhr

photo credit: Bettina Stoess

Am Samstag hat ein zweiteiliger Ballettabend in Saarbrücken Premiere: mit einer Choreografie der Staatstheater-Tänzerin Liliana Barros und einem Stück der Münchener Choreografin Anna Konjetzky.

Wer am liebsten mit dem Körper spricht, hat es manchmal schwer, die richtigen Worte für die eigene choreografische Arbeit zu finden. Und so ringen Anna Konjetzky und Liliana Barros im Gespräch erstmal um die passenden Ausdrücke für ihre abstrakt-zeitgenössischen Tanzstücke, die sie am Samstag in Saarbrücken vorstellen werden.

„My name is legion“ nennt Barros ihre Choreografie, mit der sie eine Visitenkarte abgeben will für eine zukünftige Laufbahn als Choreografin. Zum Ende der Spielzeit wird der Publikumsliebling das Saarbrücker Ballett nach zehn Jahren (mit kurzer Unterbrechung) verlassen und frei arbeiten als Tänzerin. Vor allem aber möchte sie ihre choreografische Arbeit ausbauen, mit der sie in Saarbrücken bereits bei vielen „SubsTanz“-Abenden begeistern konnte. „Mein Name ist Legion, denn wir sind viele“ ist ein Zitat aus dem Markusevangelium. Von Jesus gefragt, wer er sei, antwortet so der von einem Dämon besessene Mensch. Legion also ist demnach der Name eines Dämons, der in vielerlei Gestalt auftritt.

Das griechische Wort „Legion“ bedeutet eine Anzahl, eine Menge – und ist bekanntlich auch ein militärischer Begriff. „Man kann also viele Assoziationen haben, bei diesem Titel“, sagt Barros. In ihrem Stück geht es um gruppendynamische Fragen: Wie bewegt und verhält sich das Individuum in und zur Gruppe? Welche Instinkte/Dämonen leiten den Menschen? Bewegt er sich sich wie ein Tier in der Herde? Wie ein Soldat in seiner Einheit? Wohin treibt es ihn, wo ist sein Platz? Was heißt Migration? „Die acht Tänzer werden viel miteinander interagieren, als Gruppe, als Menschenknäuel“, sagt Barros. Eine weitere Quelle der Inspiration: Die jüngsten Bilder Daniel Richters, die Barros 2016 in dessen Frankfurter Ausstellung tief berührt hätten. In den sehr reduzierten Arbeiten liege der Fokus auf Körper und Körperlichkeit. Körperteile und Gesichtsformen sind collageartig verflochten, es geht eine enorme Spannung von den Bildern aus. „Man assoziiert unbändige Sexualität, man sieht Anziehung und Abstoßung gleichermaßen“, sagt Barros. Zugleich könne man Richters abstrakte, ineinander verflochtene Körperkonturen auch als Landkarte lesen. Wo verlaufen die Grenzen? Barros setzt ihr Thema zu elektronischer Musik um.

Wie bei Liliana Barros stehen Fragen des Zusammenlebens, der Interaktion, im Vordergrund, weniger das Innenleben Einzelner. 

Samstag, 19.30 Uhr, Alte Feuerwache. Karten unter Tel. (06 81) 30 92 486.

http://www.saarbruecker-zeitung.de/kultur/sz-kultur/art449429,6379060



SAARBRÜCKEN

 

Große Gefühle, tiefe Gedanken

von Esther Brenner, 28. Juni 2016

 

photo credit: Bettina Stoess

 

(...) Überhaupt war es Liliana Barros's Abend, die als Multitalent aus dem in Ganzen hervorragenden Ensemble hervorsticht. Er gipfelte in ihrem Stück "Collider/ Vainglory", zu gleich Höhepunkt und ende des langen Ballettabends. Sechs Tänzerinnen und Tänzer in goldenen Kostümen bewegen sich zu pulsierenden Beats mechanisch über die Bühne. Sie wirken wie androgyne Wesen in Trance. Barros, die in den vergangenen Jahren bereits einige erfolgreiche Choreographien Zeigte, entwickelt hier ein vielschichtiges Tanzstück, in dem sich immer wieder Paare zu Pas de deux lösen, die Tänzer ansonsten aber weitgehend isoliert agieren. Man assoziiert einen Laufsteg, mehr Schein als Sein, Glitter und Glamour. Großem Wert legt die Choreographin auf die Mimik ihrer Tänzerinnen und Tänzer: Hier gibt es nichts zu lachen, alles wirkt künstlich, affektiert, entmenschlicht. Am ende verharrt das Ensemble im Goldregen. Mit dieser vielversprechender Choreographie empfiehlt sich Liliana Barros für die kommende Saison: Sie wurde beauftragt, ein Stück für einem mehrteiligen Abend zu Kreieren. (...)

 

 

https://www.pressreader.com/germany/saarbruecker-zeitung/20160628/281900182516315


SAARBRÜCKEN

 

Tanz oder: Lass dich überraschen

von Cathrin Elss-Seringhaus, 14. Juni 2010

 

 

(...) Und der stärkste, reifste Beitrag? Den lieferte Liliana Barros mit " CLARITAS". Jawohl, es ist ein "gefälliges" Stück, ein leicht zugängliches Kurz-Märchen nach dem Muster  "Die Schöne und das Biest" in exquisiter Rokoko-Kulisse. Dort trifft eine eitle, attraktive Lichtgestalt ( Melanie Schaffer) auf ihr animalisch-staksiges Gegenstück ( Meritxell A. Molinero). Beide stehen in optisch berückenden Korsagen und Tütüs, zwei Fabelwesen, in Rivalität vereint. Man darf Über das Spiegel- und Zwillingsmotiv ebenso nachdenken wie über ästhetische Theorien: Die Kunst hat die Macht, hässlich Dinge schön erscheinen zu lassen- und umgekehrt. Mit diesem Bonbon hatte der kurzweilige Fünfteiliger Abend begonnen. (...)